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Blood of Demon – Chapter 02

Juni 1, 2008

Ohne lange Umschweife präsentiere ich euch das 2 Kapitel meiner Story und wünsche euch viel Spaß ;)

Chapter 02

Liara hatte sich umgezogen und sah sich suchend im Zimmer um. Nach was suchte sie eigentlich? Sie wusste es nicht, bis sie es sah. Sie ging zu Kyla’s Glasvitrine und öffnete die Türen. Dort bewarte Kyla ihr größtes Heiligtum auf. Einen langen Dolch, vererbt von ihrer Großmutter und von unvorstellbarem Wert. Sie wusste, wie sehr Kyla an diesem Ding aus gefaltetem Stahl hing. Doch sie kannte seine Verwendung nicht. Kyla hatte ihr nur einmal von ihm erzählt und ihr verboten, ihn jemals zu berühren. Liara nahm den Dolch in die Hand und es war, als wenn der Griff sich ihrer Hand anpasste. Langsam, fast ehrfürchtig zog sie die Klinge aus der Scheide und betrachtete sie. Seltsame Symbole waren auf dem Mittelverlauf eingraviert. Was sie bedeuteten, wusste Liara nicht. Sie betrachtete die klare Klinge einen Moment und schob sie dann zurück in die Scheide. Sie steckte sich den Dolch in den Hosenbund. Und nun? Was sollte sie jetzt tun?
Liara schloss die Glastüren und betrachtete eine Weile ihr Spiegelbild. Bildete sie sich das nur ein, oder verformte sich die Wand hinter ihr? Erschrocken drehte sie sich um.

Es schien, als wenn kleine Wellen durch die Wand jagten. Fasziniert wohnte sie dem Schauspiel bei. Schließlich formten sich so etwas wie Augen, Nase und Mund. Ganz deutlich konnte Liara das Gesicht erkennen, dass sie ganz unverwandt anstarrte.

„Was bist du?“, fragte Liara verwirrt und fragte sich gleichzeitig, wie viele Menschen in ihrem Leben mit einer Wand redeten.
„Man nennt mich Wächterin.“ Die Stimme hatte einen melodiösen Klang und hörte sich wie ein Singsang an. Liara spürte eine Wärme in sich aufsteigen, die ihr gefiel. Es hatte etwas Friedliches, Ausfüllendes. Zögerlich ließ sie sich am Ende des Bettes nieder. „Was willst du von mir?“
„Etwas Schreckliches hat sich ereignet. Etwas, das eigentlich nicht geschehen durfte. Ich bin hier, um dir zu helfen es zu verhindern.“ Liara fühlte sich für einen Moment in einen schlechten Comic versetzt. Sie hatte weder Superkräfte, noch besaß sie übermenschliche Stärke und trotzdem sollte sie jetzt einen auf Superheldin machen? Sie schüttelte den Kopf. „Was willst du denn schon wissen? Du willst mir helfen? Dann sag mir, wer der Kerl war und was er mit Kyla vorhat.“ „Es war Devon, der deine Freundin entführte. Du musst ihn aufhalten, er will Raia in die Welt zurückholen und das darf auf keinen Fall passieren.“ „Und wozu brauch er da Kyla?“ Die Wächterin zögerte einen Moment. „Wenn du deine Freundin retten willst, musst du Raia vernichten. Ich werde ein Portal für dich erschaffen, dass dich in ihre Welt bringt.“ „Warum hilfst du mir? Ohne deine Hilfe würde ich zwar niemals dort hingelangen, aber warum? Ich habe dich nicht um deine Hilfe gebeten.“ Die großen, ruhigen Augen ruhten auf Liara und die Stimme bekam einen warmherzigen Klang. „Nicht nur eure Welt gerät durcheinander, wenn Raia erwacht.“ Liara überlegte einen Moment. Diese –Wächterin- antwortete auf keine ihrer Fragen direkt, sondern gab meistens nur vage Auskünfte. Doch Liara beschloss, sich damit zufrieden zu geben. Es war besser als nichts. „Okay, wo ist dann das Portal?“, fragte sie.
„Ich bin müde. Meine Kräfte schwinden. Ich werde es erschaffen, beim nächsten Leuchtmond. Wenn der Leuchtmond den Zenit erreicht hat, wird sich vor dir das Portal öffnen. Wenn du hindurch gehst, bist du auf dich gestellt, dann kann ich dir nicht mehr weiter helfen.“ Kaum das die Wächterin zu Ende gesprochen hatte, verschwand auch ihr Gesicht und die Wand war das was sie zuvor gewesen war. Eine Mauer, überlagert von zig Schichten Tapete und Farbe. „Toll.“ Liara lies sich seufzend nach hinten, auf das Bett, fallen. Leuchtmond? War damit etwa der Vollmond gemeint? Wann war der genau? Liara erhob sich und trat an das Fenster um einen Blick in den Himmel zu werfen. Noch immer verdeckten Wolken den Himmel. Der Regen hatte zwar längst aufgehört, doch sie waren noch immer da und verdeckten den Blick auf den Mond und seine Begleiter. Liara seufzte. Ihr Blick fiel auf Kyla’s Timer. Stand in solch einem Ding nicht immer, wann Vollmond war? Hastig blätterte sie Seite um Seite um bis sie fand was sie suchte. Vollmond war in vierzehn Tagen. Bis dahin würde es eine Menge Vorbereitungen zu treffen geben. Sie klappte den Timer zu, legte den Dolch auf dem Nachttisch ab und verkroch sich zurück ins Bett. Mit einem kleinen Hoffnungsschimmer im Herzen schlief sie ein. Vielleicht war Morgen ja auch schon alles wieder so wie früher und Kyla würde neben ihr liegen, wenn sie aufwachte.

Als Kyla ihre Augen öffnete, fühlte sie die Schwäche ihres Körpers. Er war ausgelaugt, jeder Kraft entzogen und schwer wie Blei. Dennoch versuchte sie, sich aufzusetzen. Unter Schmerzen, die bei jeder Bewegung durch ihren Körper wie Blitze zuckten, gelang es ihr. Sie schlug die Decke zurück, die man über ihr ausgebreitet hatte und saß auf der Kante des Bettes. „Ein Bett in der Hölle. Wie –dämonisch-.“, sagte sie zu sich selbst und musste leicht lächeln. Vorsichtig erhob sie sich und testete, ob ihre Beine sie überhaupt tragen würden. Nachdem sie ihr Gleichgewicht gefunden hatte, machte sie ein paar Schritte am Bett entlang, blieb jedoch am Fußende stehen. Sie blickte sich um. Große Fenster, rechtes von ihr, die vom Boden bis zur Decke reichten waren mit Blutroten Vorhängen verdeckt. Der Boden bestand aus dunklen Fliesen und sonst war das Zimmer, abgesehen von dem Bett leer. Links sah sie die große Tür. „Na toll. Eine Tür, für die man Herkules bräuchte.“ Kyla überlegte einen Moment. Schließlich ließ sie sich aufs Bettende sinken und starrte vor sich her. Was sollte sie hier? Und warum hatte der Typ sie Raia genannt? Sie hatte keine Ahnung.

Kyla richtete ihren Blick auf die Tür, als diese sich einen Spalt breit öffnete. Eine kleine Gestalt, grade mal einen Meter groß, lugte hervor. Als sie sah, das Kyla wach war, öffnete sie die Tür ganz, schlüpfte hindurch und schloss sie wieder. Kyla betrachtete sie eingehend. Eine große Nase, den Mund weit hervorstehend, erinnerte der Kleine an einen Flugsaurier. Toll, jetzt werde ich echt noch verrückt, dachte sie bei sich. „Es nicht nett, mich mit primitiven Tier, dass längst von eurer Welt verschwunden, zu vergleichen.“, quäkte das Etwas und kam hinkend dichter. Kyla sah es mit großen Augen an. Kann es… „meine Gedanken lesen? Ja, kann.“, beendete er ihren Satz und blieb schließlich vor ihr stehen. Schwarze Augen sahen sie an. „Wer bist du?“, wollte Kyla wissen. „Ich Azamir.“, entgegnete der Kleine und legte den Kopf leicht schief.
„Nun Azamir, was willst du? Mich wohl kaum zum Tanz auffordern, oder?“ Azamir kramte im Beutel, der an seinem Gürtelartigen Riemen befestigt war. Kyla sah auf seine Hand, die einer Klaue glich. „Ich sein Heiler. Lord Devon schicken zu euch, um nach Befinden zu sehen.“ „Lord Devon?“ „Ja, mein Gebieter. Er später selbst kommen, wenn es euch besser.“ Er schien gefunden zu haben was er suchte und reichte Kyla eine Art kleine Kugel. Sie betrachtete sie. „Was soll ich damit?“ „Einnehmen. Dann es euch besser gehen und Schmerzen verschwinden.“ Azamir wechselte von einem Bein aufs Andere. Er war nervös, wie es schien. Bestätig sah sie ihre Vermutung, als er sich umblickte. „Und du willst mich gewiss nicht umbringen?“ Geschockt riss er seine schwarzen Augen auf. „Nein! Nein! Das würde Azamir niemals tun!“ Wieder blickte er sich scheinbar panisch um. „Was passiert, wenn ich mich weigere?“ „Dann Azamir bestraft.“ Er blickte betrübt auf den glatten Boden zu seinen Füßen. „Wieso wirst du dafür bestraft, wenn ich deinen Anordnungen nicht folge und mich schlichtweg weigere?“ Kyla verstand es nicht. „Azamir Befehl haben, sich um Meisterin kümmern. Wenn Meisterin sich weigert, es Azamirs Versagen. Das nicht geduldet wird.“ Kyla betrachtete den Kleinen vor sich. Sie wollte grade zu einer Antwort ansetzten, als die große Tür erneut aufschwang. Mit einem Krachen landeten beide Flügel der Tür an der Wand. Kyla kannte die Gestalt, die dort in der Tür stand. Aber nun konnte sie ihn bedeutend besser erkennen. Mit seinem schwarzen Gewand, das bis zum Boden reichte, war es kaum von seinem Haar zu unterscheiden. Man sah nur einzelne Strähnen, die bis zu den Knien reichten. Seine Haltung verriet, dass er zu herrschen gewohnt war. Seine Haut besaß einen hellen Teint, der seine Augen hervorhob. Sie glühen nicht Rot, so wie letzte Nacht, stellte Kyla fest. „Hast du sie versorgt?“, wandte er sich barsch an Azamir, der erschrocken zurückwich. Leicht schüttelte er seinen Kopf. Ein Knurren drang von dem Größeren zu Kyla und Azamir herüber. „Du musst sein Herr, dieser Devon sein. Und auch der Bastard, der mich entführt hat.“ Kyla zwang ihn, seine Aufmerksamkeit von Azamir auf sie zu richten. „Bastard. Der Letzte, der mich so nannte, ging in den Sümpfen von Yaq-Monnith unter.“ „Nun, ich werde nicht dort landen.“ „Woher willst du das wissen?“ „Wenn du mich hättest töten wollen, hättest du es längst getan. Statt dessen schickst du mir deinen Heiler.“ Kyla nickte in Richtung von Azamir. „Der bald erfahren wird, wie es ist, nicht zu gehorchen.“ Devon hob seine Hand und eine Art Energiekugel sammelte sich in seiner Fläche. Ächzend erhob sich Kyla und stellte sich vor Azamir. „Wage es, ihn zu töten und ich bringe dich eigenhändig um. Er hat sich dir nicht widersetzt. Sondern ich. Also wenn du jemanden bestrafen willst, dann mich. Oder verzieh dich du Bastard!“ Devons Mundwinkel zuckten leicht. Er wusste nicht, ob er über ihre Halsstarrigkeit amüsiert oder wütend sein sollte. Schließlich ließ er seine Hand wieder sinken. Die Energiekugel löste sich in einem Nichts auf. „Ich werde ein anderes Mal wiederkommen. Bis dahin, solltest du dich erholen.“ Er machte auf dem Absatz kehrt und verschwand. Die Tür schloss sich von selbst hinter ihm.

Erleichtert ließ sich Kyla zurück aufs Bett sinken. „Habt vielen Dank, Herrin.“ Er betonte das Wort mit Ehrfurcht. „Wieso Herrin? Ich dachte, Devon sei dein Herr?“, fragte Kyla verwirrt. „Ihr haben Azamirs Leben gerettet. Azamir nun euer. Machen könnt, was wollen mit Azamir.“ Als Kyla die Hand nach ihm ausstreckte, zuckte er leicht zurück. „Hab keine Angst vor mir Azamir. Ich werde dir gewiss nichts tun.“ Azamir blickte sie aus seinen schwarzen Augen an. Trotz seines Erscheinungsbildes hatte Kyla keine Angst vor ihm. Sie fand ihn … niedlich. Sogar seine Sprechweise amüsierte sie. „Azamir sehen, dass Meisterin wahr reden.“ Kyla nickte. „Ich habe keinerlei Grund auf dich böse zu sein.“ Einen Moment sahen sie sich einfach nur an, bis Kyla die kleine Kugel in ihrer Hand wieder einfiel. „Und du meinst, die soll mir helfen wieder gesund zu werden?“ Sie öffnete ihre Hand und Azamir nickte. „Nun, dann will ich dir mal vertrauen.“ „Meisterin werden davon müde, aber gut für Heilung.“ Kyla nickte ihm zu und schluckte die kleine Kugel schließlich runter. Augenblicklich wurde sie von einer Müdigkeit gepackt, die sie selbst überraschte. „Azamir…“ Er half ihr, sich hinzulegen und deckte sie zu. Kyla’s Lider wurden schwer und sie versuchte, noch einen Moment wach zu bleiben. „Bleib bitte bei mir, Azamir.“ Kyla verlor den Kampf und verfiel dem Schlaf. Azamir berührte mit seiner Hand vorsichtig ihre Stirn. Noch nie hatte er einen Menschen als Meister gehabt. Scheinbar waren sie doch nicht so schlecht, wie er immer gehört hatte. Azamir beschloss, sich gut um seine Herrin zu kümmern.

Devon schritt in seinem Gemach auf und ab. Er musste nachdenken. Die Zeit drängte und ihn selbst verlangte es nach seiner alten Gefährtin. Wie oft hatte er versucht, sie zu finden, sie wieder zu erwecken. Doch jedes Mal, nachdem er sie fand, war sie kurz darauf tot. Und er musste bis zur nächsten Reinkarnation warten. Manchmal dauerte es nur ein paar Jahre, manchmal ein paar Jahrhunderte.
Er blieb stehen und schaute aus dem großen Fenster vor ihm. Sein Blick streifte in die Ferne. Schon lange nahm er den Boden nicht mehr wahr, der gepflastert war mit unzähligen Skeletten von Wesen, die er selbst getötet hatte. Es war ein wahrer Friedhof. Devon lächelte. Menschen benutzten diesen Ausdruck, er selbst nannte es Trophäen. Sie zeugten von seinen vergangen Gegnern, die er im Kampf besiegte.
Er wandte sich vom Fenster ab. Raia hatte sich nicht verändert, auch wenn sie jetzt in einem menschlichen Körper steckte und schlief. Sie war die einzige gewesen, die ihn Bastard nannte und es überlebt hatte. Er hasste es, an seinen menschlichen Teil erinnert zu werden. Denn er war wirklich ein Bastard. Gezeugt von einem Dämon und einer Menschenfrau. Später, im Alter von sechs Jahren, nahm ihn sein Vater mit, tötete seine Mutter und brachte ihm alles bei, was er wusste. Er hatte es nicht leicht gehabt. Von den Anderen verspottet musste er mehr beweisen als sie um anerkannt zu werden. Irgendwann tötete er seinen Vater und nahm dessen Platz in der Rangfolge ein. Dank seiner Mutter hatte er das Aussehen eines Menschen, doch sein Herz glich dem seines Vaters. Jahrhunderte später traf er auf die Wiedergeburt seiner Mutter. Er beobachtete sie und als sie an einer Seuche starb, ließ sie einen kleinen Jungen zurück. Devon nahm sich seiner an. Dieser Junge wurde zu einem stattlichen Mann, der Fähigkeiten besaß, die für einen Menschen ungewöhnlich waren. Er gab ihm den Namen Darian. In der Menschenwelt würde man ihn als Mörder bezeichnen, in seiner Welt, als tapferen und treuen Krieger. Dank Devon besaß auch Darian die Unsterblichkeit.

Devon wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als es an seine Tür pochte. Kurz danach öffnete sie sich. Eine Gestalt mit unzähligen Gesichtern trat ein. Gesichtern von Frauen und Männern, verborgen unter seinem dunkelblauen Umhang. In seiner rechten Hand hielt er ein Buch, während in der Anderen ein knorriger alter Stab als Stütze diente. Devon wandte sich seinem Besucher mit einem leichten Lächeln auf den Lippen zu: „Dantalion, alter Freund.“ Seine Stimme war die eines alten Mannes, der unzähliges Leid erfahren musste. Ein Anflug von Missmut schwang in seiner Stimme mit: „Spar dir deine süßen Worte, Devon. Ich weiß, dass du mich am liebsten zu deinen Trophäen zählen würdest. Aber noch brauchst du mich.“ Trotz der Wahrheit seiner Worte, behielt Devon sein Lächeln bei.
„Nun, was führt dich zu mir?“ „Ich habe sie gesehen.“, antwortete sein Besucher schlicht. Sofort erstarb das Lächeln auf Devons Lippen. „Aber keine Angst, mein –Freund-.“, er betonte das Wort mit Bedacht, „Ich bin nicht hier, um dir in deinem Vorhaben zu widersprechen. Ich will dir lediglich zeigen, was ich in ihrem Herzen gesehen habe.“ Dantalion trat einen Schritt dichter und hob seinen Stab, um ihn geräuschvoll auf dem blanken Boden zu rammen. Ein Spiegel erschien, den man zwar sehen, doch nicht berühren konnte. Devon betrachtete einen Moment sein Spiegelbild, bis die Oberfläche des Spiegels kleine Kreise zu schlagen begann. Als wenn ein Tropfen auf die glatte Fläche eines Sees fällt. Kurz darauf erschien Kyla. Ein leichtes Lächeln umspielte Dantalions Lippen. „Du sollst nicht in meines blicken.“, knurrte Devon ihn an. Sofort veränderte sich das Bild und zeigte ein junges Mädchen mit blonden Haaren. Es war jenes Mädchen, dass Kyla als Liara rief. „Jenes Menschenweib steckt in Raias, oder wie sie jetzt heißt, Kyla’s, Herz. Solange sie die Erinnerung an sie bewahrt, wird Raia nicht erscheinen.“ Devon nickte. So etwas hatte er schon vermutet. Er musste den Menschen töten, wollte er Raia zurück haben. „Gibt es sonst noch etwas?“, fragte Devon Dantalion barsch. Der Spiegel löste sich wieder in Luft auf. „Nein. Das war alles.“ „Dann verschwinde.“
Dantalion wandte sich zum Gehen und kurz bevor er Devons Gemach verließ, blieb er stehen. Ohne sich umzublicken fragte er: „Aber fragst du dich nicht, warum Kyla’s Anblick erschien und nicht Raias?“ Er verschwand, leise kichernd und ließ einen wütenden Devon zurück. Das sollte der alte Narr ihm irgendwann bereuen. Noch brauchte er ihn, aber sobald er seinen Dienst getan hatte, würde er sich persönlich um ihn kümmern.

Als Kyla ihre Augen öffnete, saß Azamir an ihrem Bett und betrachtete sie aufmerksam. „Ah! Herrin wach! Herrin wach!“ Kyla musste leicht lächeln. „Herrin sich fühlen besser?“ „Ja. Aber noch immer etwas müde.“ „Dann Herrin noch ruhen! Bis Müdigkeit weg, dann Herrin gesund.“ Kyla nickte, als Zeichen des Verständnisses und schloss kurz darauf ihre noch immer schweren Lider.

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Blood of Demon – Chapter 01

Mai 11, 2008

Chapter 01
Autor: Yuriko Yakuza
Titel: Blood of Demon
Sonstige Info’s:
Genre: Fantasy – Story

Preview:
Kyla und Liara sind beste Freunde. Da Liara kein leichtes Leben hat, hat Kyla es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Freundin vor allem Möglichen zu beschützen und immer für sie da zu sein. Doch plötzlich taucht ein Typ auf und nimmt Kyla einfach mit in seine eigene Welt…
Wie reagiert Liara? Und was wird Kyla unternehmen, um wieder zurück zu kehren?



Es wurde bereits Dunkel, als Kyla die Tür zur ihrer Wohnung aufschloss. Sie legte ihren Schlüssel auf die Anrichte, schloss die Tür von Innen und ging direkt in ihr Wohnzimmer. Liara lag auf der Couch und schlief. Wie so oft griff Kyla nach der Decke und breitete sie sanft über ihrer Freundin aus.
Sie kehrte zurück in den Flur, entledigte sich ihrer Jacke und Schuhe. Es war für sie nicht verwunderlich, dass Liara wieder da war. Sie waren zusammen aufgewachsen und teilten alles, auch Kyla’s Wohnung. Leise ging Kyla in die Küche, holte eine Tasse aus dem Schrank und machte sich einen Kaffee. Wenn Liara hier war, hieß das, dass sie wieder Ärger zu Hause hatte. Sie hatte sich noch nie gut mit ihren Eltern verstanden, um so wichtiger war ihr die Freundschaft zu Kyla. In Kyla’s Elternhaus fand sie nicht nur Zuflucht vor ihrem Vater, der täglich seinen Alkohol brauchte und bei dem es schnell passierte, dass er ausholte sondern auch vor ihrer Mutter, die sich nicht für sie interessierte. Bei Kyla’s Eltern hatte sie gelernt was Liebe war und bedeutete.
Sie kannten einander bereits über 15 Jahre und waren seit dem ersten Tag unzertrennlich. Kyla war jetzt 21, Liara würde dieses Jahr das gleiche Alter erreichen. In ihren Gedanken versunken betrachtete Kyla die Wand vor ihr. Sie hatte oft versucht, Liara dort rauszuholen, doch immer war sie gescheitert. Nun, da sie arbeiten war, eine eigene Wohnung hatte und Liara hoffentlich auch bald Arbeit finden würde, hätten sie dann die Möglichkeit zusammen zu ziehen? Das sie sich eines Tages eine Wohnung teilen würden stand für beide außer Frage. Der Wasserkocher schaltete sich ab und Kyla goss sich ihren Kaffee auf. Sie setzte sich an den Küchentisch und griff nach den Zigaretten. Während sie mit ihrem Blick dem Qualm folgte, der in wilden Formen emporstieg, hörte sie Schritte die sich langsam näherten. Sie wusste nicht, was sie sonst noch tun konnte, außer Liara einen Zufluchtsort zu bieten und sie zu beschützen so gut es ging.

Ein blaues Augenpaar guckte um die Ecke. Kurz darauf erschien Liara und seufzte erleichtert: „Du sollst mich doch wach machen, wenn du kommst! Ich dachte, es wäre ein Einbrecher, oder ein Mörder.“ Kyla lächelte.
„Hast du dir schon wieder meine Horrorfilme angeguckt?“ Liara grinste zurück. „Irgendwie muss ich mir doch die Zeit vertreiben bis du nach Hause kommst.“ „Ja, nur bist du ein Angsthase durch und durch.“ Kyla drückte ihre Zigarette im Aschenbecher aus, griff nach ihrer Tasse und ging mit Liara ins Wohnzimmer zurück. Das Dunkelgrüne Sofa stand genau in der Mitte des Raumes und Blutrote Vorhänge zierten das Fenster gegenüber an beiden Seiten. Davor war ein kleiner Tisch und genau vor dem Fenster stand der Fernseher. Rechts vom Sofa befand sich eine Anrichte aus ebenfalls dunkel gebeiztem Holz und die Wände erstrahlten in einem leichten Mintgrün. Das letzte Sonnenlicht lies den Raum dennoch warm erstrahlen. Liara ließ sich auf die Couch fallen und Kyla setzte sich neben sie. „Wie war dein Tag?“, fragte sie Kyla.
„Es ging.“ Damit war das Thema abgeschlossen. Liara wusste, dass Kyla nicht weiter darüber reden würde, auch wenn sie noch so sehr nachfragte. Sie kannte ihre Freundin. Eine Weile schwiegen sie, doch es war eine angenehme Stille. So wie Liara wusste, dass Kyla Zeit zum Abspannen brauchte, wusste Kyla, dass Liara ihr diese Zeit geben würde. Kyla trank einen Schluck ihres Kaffees. „Wollen wir noch spazieren gehen?“, durchbrach Kyla schließlich die Stille. Liara guckte sie mit großen Augen an. „Wenn du spazieren willst, dann heißt das, dass es noch ein Gewitter geben wird! Vergiss es, mich kriegt heute hier niemand mehr raus!“ Mit verschränkten Armen drückte sich Liara weiter in die Couch. Sie hatte längst aufgehört sich zu fragen, woher Kyla immer so genau wusste, wann es ein Gewitter geben würde. Sie nahm es einfach hin. Früher, ja früher hatten sie wilde Spekulationen darüber angestellt, sich vorgestellt, dass sie Hexen mit magischen Fähigkeiten sind und wie sie den Menschen helfen würden. Sie würden im Geheimen agieren und niemand wüsste von ihnen. Doch je älter sie wurden, desto mehr verblassten diese Vorstellungen. Kyla liebte Gewitter, oft saß sie dann vor dem Fenster und schaute den Blitzen zu, wie sie den Himmel erhellten. Ihre abstrakten Formen zogen sie förmlich in den Bann. Liara hingegen akzeptiere dies zwar, verkroch sich jedoch lieber ins Bett. Donner war für sie schon schlimm, aber Blitze? Allein der Gedanke, von einem getroffen zu werden jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Nein, sie würde heute keinen Fuß mehr vor die Tür setzen.

Kyla lächelte. „Was wollen wir heute Abend denn gucken? Ich glaube kaum, dass du dir noch einen Horrorfilm angucken willst, oder?“ Liara schüttelte den Kopf. „Irgendwas Lustiges.“ Kyla nickte und zappte durchs Fernsehprogramm. „Da! Dass lass mal!“, rief Liara schließlich aufgeregt. Also legte Kyla die Fernbedienung zurück auf den Tisch und lehnte sich nach hinten. Es dauerte nicht lange bis Liara herzhaft lachte und sich die ersten Tränen wegwischen musste. „Fuahahaha … Der is so doof … hahaha… Is das geil …“ Auch Kyla musste leicht lachen, allerdings mehr über ihre Freundin, als über den Film. Sie hörte Liara gerne Lachen und jene tat es oft. Trotz ihrer Familienverhältnisse war Sie ein fröhlicher Mensch, immer gut gelaunt. Kyla beobachtete sie. Das blonde Haar fiel in leichten Locken auf ihre Schulter, die blauen Augen strahlen vor Fröhlichkeit und sie schien einfach glücklich. Anschließend wandte sie den Blick wieder Richtung Fernseher und versuchte zu verstehen, worum es bei diesem Film überhaupt ging.

Es war bereits dunkel, als Kyla den Fernseher ausstellte. Die Komödie war längst vorbei und Liara war mal wieder auf der Couch eingeschlafen. Kyla erhob sich und stellte sich vors Fenster. Die Wolken hatten sich zugezogen und jeden Moment würde das Gewitter beginnen. Die Luft war wie elektrisiert und in Kyla breitete sich eine Freude aus, wie die eines kleinen Kindes vor der großen Überraschung. Ihre Augen begannen zu leuchten bei der Vorstellung, wie der Regen gegen das Fenster peitschen würde, Blitze über dem Himmel zuckten und vom Donnern verfolgt werden würden, als wolle jener sie vorantreiben. Doch sie versagte sich die Freude auf dieses Schauspiel, ging zurück zu Liara und strich ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht. „Hey, komm. Wir gehen ins Bett.“
Schlaftrunken erhob sich die kleinere von der Couch und folgte ihrer Freundin. Kyla nahm die Tagesdecke vom Bett, legte sie zusammen und griff nach ihrem Nachthemd dass ihr bis kurz über die Knie reichte. Liara ging an den Kleiderschrank und griff wahllos nach einem Pyjama. Kaum, dass beide im Bett lagen begann der Donner. Liara rutschte unwillkürlich dichter zu Kyla. „Musst du morgen wieder arbeiten?“, fragte sie nuschelnd. „Nein, trotzdem will ich jetzt schlafen.“ Wenn sie schon Liara zu Liebe auf ein Gewitter verzichtete, so war es doch am Besten, wenn sie es einfach verschlafen würde. Kyla kuschelte sich in ihre Decke und kurze Zeit später war sie auch schon eingeschlafen.
Liara rückte noch ein Stück dichter an ihre Freundin heran. Warum sie solch eine Angst vor Gewitter hatte, wusste sie nicht, aber sie war jedes Mal dankbar, wenn Kyla in ihrer Nähe war. Bei ihr fühlte sie sich sicher. Als ihre Atmung wieder etwas ruhiger wurde, schloss auch Liara die Augen und verfiel dem Schlaf.

Das Gewitter wurde immer stärker und von dem Donnergrollen geweckt, richtete sich Liara auf. So schlimm war selten ein Gewitter. Sie griff nach der Wasserflasche, die neben ihr auf dem Boden stand und trank einen Schluck. Sie wollte sich grade wieder hinlegen, als sie zum Fenster blickte. Genau in dem Moment erhellte ein Blitz das Zimmer und Liara sah eine schemenhafte Gestalt vor dem Fenster. Verwirrt rieb sie sich die Augen. Das konnte nicht sein, sie befanden sich hier im 2. Stock, da konnte niemand vor ihrem Fenster stehen. Ein mulmiges Gefühl machte sich in Liara’s Magen breit. Ohne den Blick vom Fenster abzuwenden, tastete ihre Hand nach Kyla. Als sie Sie leicht anstubste, gab jene nur ein Murren von sich. „Kyla!“, Liara’s Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Kyla!“
„Was denn?“, ohne ihre Augen zu öffnen oder sich zu ihrer Freundin umzudrehen, versuchte Kyla, sich gegen das wach sein zu wehren. „D-da ist jemand!“ „Wo?“, nuschelte sie gegen ihr Kopfkissen. „Vor dem Fenster!“
„Mhm, schlaf weiter, du hast nur schlecht geträumt.“ Es war ein halbherziger Versuch Liara zu beruhigen. Ein paar Sekunden vergingen. Man hörte nur den Regen, wie er gegen das Glas prasselte. Liara rutschte höher an das Kopfende und stieß mit dem Rücken gegen die kalte Wand. Noch immer konnte sie ihren Blick nicht vom Fenster gegenüber abwenden. Wieder folgte ein Blitz und wieder war für ein paar Sekunden diese Gestalt zu sehen. Nun bekam sie es doch mit der Angst zu tun. Es war ihr egal, ob Kyla sie anmaulen würde. Sie begann ununterbrochen an ihrer Freundin zu rütteln. „Kyla! Kyla! Ich hab mir das nicht nur eingebildet! Da ist wirklich jemand! Kyla! Bitte, wach doch endlich auf!“ Tränen sammelten sich in Liara’s Augen, gepackt von schierer Angst. Kyla gab ein grummelndes Geräusch von sich, wandte ihren Kopf zu Liara und zischte: „Frau! Wenn es dich beruhigt, dann geh ich eben gucken, aber danach lass mich gefälligst weiterschlafen!“ Frustriert schlug sie ihre Bettdecke zurück und ging ans Fenster. Sie schob das Rollo bei Seite und blickte nach draußen. Nichts. Nur der Regen, der seine Spuren am Glas hinterließ und die dunklen Wolken am Himmel. Kyla wandte sich zu Liara um. „Siehst du? Nichts! Also leg dich hin und schlaf gefälligst weiter!“ Kaum, dass Kyla ihren Satz beendet hatte, zuckte erneut ein Blitz über den Himmel und nun sah auch sie diesen Schatten an der Wand hinter Liara. Ruckartig drehte sie sich wieder um, zerrte das Rollo nach oben und öffnete das Fenster. Der Regen peitschte ihr ins Gesicht als sie sich nach vorne lehnte, doch sonst war nichts zu sehen. Hatten sie sich das beide eingebildet?
„Mach das Fenster wieder zu! Bitte!“, flehte Liara als wenn es um ihr Leben ginge. Kyla hörte die Angst aus ihrer Stimme und folgte Liara’s Bitte. Einen Moment blieb sie davor stehen, wandte sich dann ruckartig um und ging hinaus auf den Flur. Sofort sprang Liara aus dem Bett. „Wo willst du hin?“, fragte sie verzweifelt. „Ich geh jetzt gucken. Wenn da jemand sein sollte, der sich einen Scherz mit uns erlaubt, dann kann er was erleben!“ Kyla war wütend, das hörte Liara an ihrer Stimme. „Nein! Lass mich hier nicht alleine!“ Flehend griff sie nach der Hand ihrer Freundin, doch diese entzog sie ihr wieder. „Entweder kommst du mit, oder du bleibst hier und wartest!“ Liara schaute in Kyla’s vor Wut aufblitzenden Augen. Sie konnte sie nicht umstimmen, dass wurde ihr klar. „Ich warte hier.“ Kyla nickte ihr zu. „Dann geh zurück ins Bett und halte dich vom Fenster fern, verstanden?“ Liara nickte nur und Kyla rannte den Treppenflur nach unten. Kaum dass sie vor dem Aufgang stand, hatte der Regen sie bis auf die Knochen durchnässt. Ihre Dunkelbraunen Haare hingen in nassen Strähnen hinab. Sie hatte noch immer nur ihr Nachthemd an, aber das war ihr egal. Sie wollte wissen, wer oder was das war. Sie wandte sich nach links und rannte um den Block herum in dem sie wohnte. Denn ihr Schlafzimmer war zur anderen Seite ausgerichtet.

Kyla verlangsamte ihr Tempo, als sie das Rasenstück erreichte. Die aufgeweichte Erde ließ sie einige Zentimeter im Boden versinken, doch darauf achtete sie gar nicht. Sie ging langsam weiter und blieb schließlich genau vor ihrem Schlafzimmerfenster stehen. Sie blickte nach oben, doch dort war nichts zu erkennen. Kyla seufzte. Sie hatten es sich also doch nur eingebildet und sie hatte sich anstecken lassen von Liara’s Panikattacke. Über sich selbst lächelnd schüttelte sie den Kopf.

Liara hielt es nicht aus. Unruhig lief sie auf und ab bis ihre Neugierde gewann. Sie ging zum Fenster und blickte raus. Sie sah Kyla dort unten stehen, die zu ihr hoch schaute. Also öffnete sie das Fenster. Auch sie war innerhalb weniger Sekunden durchnässt und blonde Strähnen umrahmten ihr Gesicht. „Und?“, fragte sie nach unten. „Nichts.“, antwortete ihr Kyla und schüttelte zur Bekräftigung ihrer Worte den Kopf.

Sie wollte sich grade auf den Weg nach drinnen machen, als sie Liara’s Gesicht erkannte. Die Augen weit aufgerissen und jegliches Blut aus dem Gesicht gewichen. Alles was Liara tat, war den Arm zu heben und auf eine Stelle hinter Kyla zu zeigen. Ja, dort steht der alte Baum, sagte sie sich und fragte sich, was Liara da gesehen haben mag, dass sie so reagierte. Dann sah auch sie es.

Neugierig trat sie einen Schritt dichter. Es schien, als wenn dunkler Nebel hinter dem Baum sich sammelte. „Wer ist da?“, fragte Kyla selbstsicher. Sie spürte keine Angst. Das war etwas, dass sie verloren hatte seit sie Liara kannte. Als keine Reaktion erfolgte, ging sie noch ein Stück weiter auf den Baum zu. „Komm raus da, du Bastard!“, ihre Stimme versuchte, gegen den Regen anzukommen.
Noch einmal blickte Kyla hinter sich zu Liara und als sie ihren Blick wieder nach vorn richtete, sah sie die Große Gestalt vor sich. Langsam ging ihr Blick nach oben und blieb an den Augen hängen. Sie zogen Sie förmlich an. Kyla schüttelte den Kopf, wie um sich von dieser Trance zu lösen und ging automatisch ein paar Schritte nach hinten. Sie wusste nicht, wer der Typ da war, warum er in diesem komischen Aufzug vor ihr stand, doch noch immer verspürte sie keine Angst.

Sein langes, dunkles Haar wehte leicht, was angesichts des Windes jedoch nicht möglich war. Das widerspricht jegliches Gesetzen der Physik, schoss es Kyla durch den Kopf. Seine Gestalt war unter einen dunklen Mantel verborgen, der bis zum Boden reichte. Als er einen Schritt dichter auf sie zukam, reckte Kyla trotzig ihr Kinn nach vorne. Bereit, sich alles und jedem zu stellen. Einen Moment betrachteten sie einander, bis sie ihre Neugierde nicht mehr zügeln konnte. „Wer bist du?“, fragte sie herrisch. Doch anstatt zu antworten, kam er weiter auf sie zu, bis er nur noch einen halben Meter vor ihr stand. Seine Hand legte er fast zärtlich auf ihre Wange und als Kyla seine Stimme hörte, durchfuhr ein Zittern ihren ganzen Körper: „Endlich habe ich dich wieder.“ „Ich weiß ja nicht, aus welchem Irrenhaus du entlaufen bist, aber ich kenne dich nicht. Also verschwinde.“, forderte sie ihn auf. Kyla versuchte, ihr Herz zu beruhigen, das einen wilden Rhythmus zu tanzen begann. Hatte sie etwa Angst? Nein, das war unmöglich. Sie hatte seit Jahren keine Angst mehr gehabt. Er überging ihren Einwand und seine Stimme erreichte jede Faser ihres Körpers: „Komm mit mir.“
Kyla wich entschlossen einen Schritt zurück. „Vergiss es. Ich geh mit keinem Irren.“ Seine Augen blitzen amüsiert auf. „So warst du schon immer. Nie hast du dir etwas sagen lassen, das hat sich auch in all der langen Zeit nicht geändert.“ „Ich weiß nicht wovon du redest. Zieh Leine, oder du kannst was erleben.“ Er verstand die Drohung hinter ihren Worten und zog verwirrt die Brauen zusammen. „Warum willst du hier bleiben? Du gehörst hier nicht her, das weißt du.“ „Ich weiß, dass wenn du nicht gleich verschwindest, du deine verdammten Knochen einzeln aufsammeln kannst.“ Er betrachtete sie einen Moment. „Du riechst nach Mensch!“, stellte er angeekelt fest. „Ist so, wenn man ein Mensch ist. Du riechst genauso.“, entgegnete sie ihm gelassen. Ihr Herz schien sich beruhigt zu haben. „Beleidige mich nicht!“, zischte er, bevor er auch schon wieder vor ihr stand, seine Hand an ihrer Kehle lag und er leicht zudrückte. Kyla schrie kurz überrascht auf. Sie hatte nicht gesehen, wie er sich bewegte und doch stand er jetzt vor ihr und berührte sie sogar. Ihre Hände umschlossen sein Handgelenk und sie spürte die unbändige Kraft, dessen er mächtig war. „Lass mich … los … Bastard!“, brachte sie keuchend hervor. Sofort ließ er sie frei, blieb dennoch dicht vor ihr stehen. Sein Blick ruhte noch immer auf ihr.

„Kyla!“, rief Liara aus Angst um ihre Freundin. Sie hatte keine Ahnung, wer der Typ war und was er zu ihr sagte, aber er war kein Mensch, dessen war sie sich sicher.
Kyla wandte sich um und blickte zu Liara hoch. „Verschwinde! Mach das Fenster zu!“ Doch Liara konnte sich nicht bewegen. Gelähmt von der Angst die sie erfüllte.

„Wende mir nicht den Rücken zu!“, knurrte der Typ hinter ihr. Kyla wandte sich langsam zu ihm um, ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Und wenn doch?“ „Dann wirst du es bereuen!“ Kyla lachte. „Drohen kann jeder, aber wenn, dann mach es auch wahr.“ Kyla wusste nicht, woher sie diese Gewissheit hatte, dass er ihr nichts tun würde. Sie fühlte einfach, dass es so war. Sein Blick wanderte von ihr, zu dem Menschen dort oben am Fenster. „Raia!“, seine Stimme klang beherrscht, dennoch konnte Kyla spüren, welche Stärke in ihr ruhte. „Wer?“, fragte sie leicht irritiert. „Du bist Raia.“, erklärte er mühsam. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich nicht erinnern würde.
Nun wandte sich Kyla richtig zu ihm um. „Hör zu. Ich bin nicht Raia, sondern Kyla. Aber ich wüsste nicht, was dich das angeht. Also dann, einen schönen Abend noch.“ Kyla wandte sich von ihm ab, doch zu mehr kam sie nicht. Plötzlich tauchte er wieder vor ihr auf, seine Augen leuchteten Rot auf und mit einer schnellen Handbewegung hinderte er sie daran, weiter zu gehen. Er berührte sie nicht, hielt sie nicht fest und trotzdem, Kyla konnte sich nicht mehr Bewegen, als wenn ihr Körper an Ketten gelegt war.

„Um es dir zu erklären, du hast hier nichts zu suchen. Du bist kein Mensch.“, seine Stimme klang bedrohlich.
„Natürlich bin ich ein Mensch du Bastard. Was soll ich denn sonst sein? Schon mal in den Spiegel geguckt? Ich weiß zwar nicht wie du das gemacht hast, aber dafür gibt’s bestimmt eine ganz logische Erklärung. Und jetzt hau hab du Hurensohn!“ Kyla wurde von einer Wut gepackt, die sie selbst überraschte.
Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er wusste jetzt, was er tun musste. „Du hast die Wahl, entweder, du kommst freiwillig mit, oder ich werde dich zwingen.“ Sein Blick richtete sich auf Liara und Kyla verstand augenblicklich. Sie versuchte, sich mit aller Kraft aus dieser Starre zu befreien, als sie aber merkte, dass ihr dies nicht gelingen würde, schrie sie zu ihrer Freundin: „Verdammt! Liara! Mach das verdammte Fenster zu und hau ab! Sieh zu!“ Doch es war zu spät. Bevor Liara hätte reagieren können, tauchte er plötzlich genau vor ihr auf. Jene sah verblüfft zu der Gestalt vor ihr und ihre Augen weiteten sich. Seine Hand schnellte nach vorne und umfasste hart ihre Kehle. „Widerlicher Mensch.“

„Lass sie los du gottverdammter Hurensohn! Ich schwör dir, ich bring dich um, wenn ihr was passiert!“, schrie Kyla ihm mit aller Kraft entgegen. Sie spürte den Hass, der in ihr zu gären begann, spürte, wie er jede Faser ihres Körpers ausfüllte und sie mit einer Kraft erfüllte, von der sie nie zu träumen gewagt hätte. Mühsam gelang es ihr, sich einen Schritt vorwärts zu bewegen.

Liara blickte geschockt zu ihrer Freundin. „Kyla!“, brachte sie gepresst hervor. Was war geschehen? Warum glühten Kyla’s Augen in dem gleichen Rot wie seine?
Als wenn er Liara’s Gedanken lesen könnte, antwortete er ihr: „Sie ist kein Mensch, begreif das!“

„Lass … sie … los!“, es gelang Kyla sich immer besser zu bewegen, je mehr sie ihn hasste. Erstaunt blickte er zu ihr hinab. Dass sie sich diesem Bannzauber widersetzen konnte, war nur ein kleines Beispiel ihrer Kraft. Das wusste er nur zu gut.

Kyla’s Blick schien ihn förmlich zu durchbohren und er wusste, er hatte nur eine Möglichkeit, um sie mit sich zu nehmen. Ein langes Schwert erschien in seiner freien Hand und kaum das Kyla es erblickte, wich jegliche Farbe aus ihrem Gesicht. Ihre Augen nahmen wieder ihre natürliche Farbe an und sofort war sie dem Bannzauber erlegen. „Nein!“, es war kaum mehr als ein Flüstern und doch verstand er es. Er lächelte siegessicher. „Entweder, du kommst freiwillig mit mir, oder der Mensch wird sterben.“ Sein Griff um Liara’s Kehle wurde fester und jene begann, nach Luft zu schnappen.
Kyla wog einen Moment lang ihre Chancen ab. Als sie keinen anderen Ausweg sah, nickte sie nur schwach. Das Schwert in seiner Hand verschwand und vor Kyla öffnete sich der Boden zu einem Kreis. Am Rand von einem roten Licht umgeben, blickte sie zu beiden empor. „Spring rein, oder der Mensch wird sterben.“ Kyla blickte von ihm zu Liara, Tränen waren auf ihrem Gesicht zu erkennen und rannen der Blonden übers Gesicht. Trotz ihrer Lage, versuchte Liara den Kopf zu schütteln. Kyla hatte genug gesehen. Sie wusste, Liara würde sterben, wenn sie nicht das tat, was er wollte. Sie hatte keine Ahnung, was sie am anderen Ende erwarten würde. Kyla schloss für einen Moment ihre Augen, rief sich Liara’s Lächeln in Erinnerung und sprang.

Kaum das Liara sah, wie Kyla sprang, spürte sie, wie der Typ sie freigab. Er tauchte plötzlich am Rand des roten Lichtkreises auf und ohne noch einmal zu Liara zu blicken folgte er Kyla. Liara brach weinend vor dem Fenster zusammen.

„Scheiße! Scheiße! Scheiße!“ Liara schlug die Hände vor ihr Gesicht und ließ ihren Tränen freien Lauf. Das konnte doch alles nicht wahr sein, das war einfach nur ein schrecklicher Albtraum. Wie in Trance erhob sie sich und setzte sich auf die Kante des Bettes. Und was sollte sie tun wenn nicht? Wenn es kein Traum, sondern fürchterliche Realität war? Was sollte sie Kyla’s Eltern sagen? Ihre Tochter war kein Mensch?
Liara schüttelte den Kopf. Natürlich war Kyla ein Mensch, so wie jeder Andere auch, außer dem Typen eben. Noch immer liefen ihr Tränen über die Wangen, doch mit jeder Sekunde wurde sie entschlossener. Sie musste Kyla da rausholen, koste es, was es wolle. Liara ging zu Kyla’s Schrank. Das Erste, was sie tun musste war, sich umzuziehen. Was dann folgte, wusste sie noch nicht, aber es würde sich eine Möglichkeit finden lassen.

Hart schlug Kyla auf dem Boden auf. Vor ihren Augen verschwamm alles. Sie versuchte tief Luft zu holen. Es roch süßlich und stank gleichzeitig nach Tod. Kyla versuchte, sich vom Boden zu erheben, doch es schien, als wenn ein starkes Gewicht auf ihrem Rücken lastete. Immer wieder gaben ihre Arme nach, bei dem Versuch sich hochzustemmen. Dann hörte sie die Stimme und vor ihren Augen tauchte das Gewand des Typen auf.
„Steh auf!“, befahl er barsch. Kyla versuchte es, nicht als Zeichen des Gehorsams, sondern weil sie es selbst wollte. Wieder gaben ihre Arme nach. Entkräftet blieb sie einfach auf dem kalten Boden liegen und schloss ihre Augen. Einen Moment Ruhe, nur einen kleinen Moment.
Kyla spürte, wie jemand sie auf den Arm nahm und irgendwohin trug. Sie versuchte, ihre Augen wieder zu öffnen, doch es gelang ihr nicht. Sie verlor das Bewusstsein.